Antispeziesismus - Was ist das eigentlich?
Hannes P. <jugend@graswurzel.net>
Was wie ein kompliziertes Fremdwortmonstrum aussieht, lässt sich mit einfachen Worten beschreiben: Antispeziesismus meint die Ablehnung der Ausbeutung nichtmenschlichen Lebens zu Gunsten menschlicher Lebensformen. Fleisch, Fisch, oder mit tierischen Bestandteilen gefertigte Kleidung: All das sind Produkte speziesistischen Handelns.
Der gesellschaftliche Normalfall?
Die Bratwurst von der Bude, das Ei aus dem Supermarkt, oder die Lederjacke im Schrank: Die Liste an Produkten, bei deren Herstellung tierisches Dasein mit Füßen getreten wird, lässt sich endlos fortsetzen. Dabei wird in den meisten Fällen sogar verkannt, dass Lebewesen für den kurzweiligen Genuss leiden mussten. Die „Wurst aufs Brot“ gehört genauso wie die Frühstücksmilch, oder an Tieren erprobte Kosmetikartikel zu den „gesellschaftlichen Standards“.
Menschliche und nichtmenschliche Tiere
Diese „gesellschaftlich anerkannten Standards“ erhöhen menschliche über nichtmenschliche Tiere; vergleichbar mit Rassismus oder Sexismus, wird eine bestimmte Gruppe einer anderen übergeordnet, die Ausbeutung und Unterdrückung einer Gruppe akzeptiert. Nur dass im Fall des Speziesismus nicht nur Personengruppen, sondern ganze Spezies unter erdachte Machtverhältnisse fallen. Eine große Rolle spielen dabei Eigenschaften, die nichtmenschlichen Tieren gerne abgesprochen werden. Während das menschliche Tier intelligent, einfühlend und sozial ist, fehlen nichtmenschlichen Tieren angeblich all diese Eigenschaften – so der Tenor, auf dem speziezis- tisches Handeln fußt.
…und menschliche Schweine
Gemeinschaft, Nähe, Geborgenheit und Spieltrieb sind Verhaltensweisen, die nicht nur dem Menschen vorbehalten sind. Bilder von blutüberströmten Jungschweinen, die sich angsterfüllt aneinanderdrücken sind die tägliche Realität der so genannten „Fleischproduktionsstätten“. Dem stellen AntispeziesistInnen eine Alternative gegenüber: Ziel allen Handelns soll es sein, in einer Form der Harmonie mit nichtmenschlichen Tieren zu leben. Ein auf Zusammenarbeit basierendes Handeln soll Vorteile für die Angehöri- gen der unterschiedlichen Spezies garantieren.
Antispeziesistisches Handeln
Die tiefe gesellschaftliche Verankerung und Akzeptanz tierverachtenden Gedankenguts erschwert den antispeziezistischen Widerstand. Daher verstehen sich viele AntispeziesistInnen vor allem als aufklärende Kräfte – daneben gibt es aber auch direkte Aktionen. Und auch das Verzichten auf den Konsum von Produkten tierischen Ursprungs, bzw. das Schaffen eines Bewusstseins für Belange, die andere Spezies betreffen, spielen - nicht nur auf theoretischer Ebene - eine große Rolle. Dabei kommt es nicht nur auf eine grundsätzliche Kritik, sondern auf Arten der persönlichen Lebensgestaltung an: denn jeder Konsum tierischer Produkte unterstützt die Profiteure speziezistischer Ausbeutung.
… und ein Zukunftsentwurf
Ein anderes Tierbild ist nötig, um die speziesistische Misere zu überwinden. Neben der – nicht nur gedanklichen – Gleichwertigkeit tierischen Lebens müssen auch Ernährungsformen und – gewohnheiten überdacht werden. Denn der Mensch kann sich diese „Barbarei“ als vernunftbegabtes und moralisches Wesen nicht leisten.
Der Artikel erschien am 30. November 2007 in Ausgabe 2 von Utopia, einer Jugendzeitung für eine herrschaftslose, gewaltfreie Welt, die schon lange fällig ist

