Interview: Tierrechtstage Recklinghausen

Tierrechtstage Recklinghausen

In einer Woche beginnen die Tierrechtstage Recklinghausen. Wir haben mal ein paar Fragen gestellt.

Die Tierrechtstage in Recklinghausen gibt es ja nun schon zum zweiten mal. Was bewegt euch dazu, die Veranstaltung fortzuführen?

Es macht ja anscheinend sonst keineR!
Nein, also letztes Jahr ging vieles schief, was einzig an unserer Orga lag. Wir denken wir haben eine Menge draus gelernt und haben dieses Jahr sehr früh angefangen und bisher sind wir sehr zufrieden. Und da, zumindest so wie wir es miterleben, an inhaltlicher Entwicklung in der Bewegung nicht allzuviel passiert, halten wir es für nötig zu versuchen diese Entwicklung irgendwie anzutreiben.

Macht ihr noch andere Dinge, als einmal im Jahr einen Kongress zu organisieren?

Nö.

Bei Indymedia gab es ja einige Anfeindungen euch gegenüber. Ist Antispeziesismus überhaupt ein “linkes Thema”?

Du beziehst dich auf die ganzen “Sekten”-Vorwürfe und die unsichtbare Zensur mit der wir bei Indymedia zu kämpfen hatten. Ich denke, das sind zwei Sachen, die nichts miteinander zu tun haben. Zu Indymedia ist zu sagen, dass dieses Portal einige fundamentale Probleme hat. Die zwei wesentlichen sind die untransparenten ModeratorInnen-Strukturen und das absolute Fehlen einer Nachvollziehbarkeit der Moderation für Aussenstehende. Damit meine ich, dass die Mods inhaltlich unliebsame Artikel, wie auch bei uns geschehen, aber ich weiss noch von sehr vielen anderen Fällen, entweder gar nicht erst veröffentlichen oder direkt löschen. Seit neuestem gibt es das Feature Kommentare “nach unten” zu verschieben. Im Grunde eine ganz gute Idee, würde dies nicht jedoch die gleichfalls stattfindende unsichtbare Zensur, die die Indymediamods durch das spurlose löschen von Kommentaren auslösen genau dadurch verschleiern. Was fehlt ist eine Art History für jeden einzelnen Artikel, die nachvollziehbar macht wer, wann, was an einem Artikel oder seinen Comments geändert hat. So wie es bei Wikipedia zum Beispiel funktioniert.
Allerdings nehmen wir Kommentare bei Indymedia in keinster Weise ernst, da jeder Cop oder Nazi dort schreiben kann. Die einzige Strategie die es möglich macht über einen längeren Zeitram Indymedia zu lesen, ist die, alle Kommentare die einem/einer nicht gefallen für Nazi- oder Copfakes zu halten.
Das andere ist die Frage ob Speziesismus überhaupt ein linkes Thema sei.
Wir alle haben einen linksradikalen Background und Speziesismus ist auch nicht unser Hauptaktionsfeld. Ein politscher Antispeziesmus, in Abgrenzung zum moralischen Gefühlsveganismus, muss sich zwingend in eine ganze Reihe anderer Themen einordnen und anerkennen, dass eine Befreiung der Tiere ohne eine Befreiung der Menschen Quatsch ist. Es geht nicht um Haupt- und Nebenwiderspruch, aber im Kapitalismis ist nun einmal überhaupt keine absolute Freiheit möglich, weswegen wir unsere Arbeit ganz klar als linksradikal verstehen.

Die angebotenen Vorträge sind ja ziemlich kritisch im Bezug auf die Tierrechtsbewegung. Welche Veränderung wünscht ihr euch für diese Bewegung?

Es ist kein Wunder, dass Nazis und antisemitische Esosekten den Schulterschluss suchen und teilweise sogar finden, da unsere Konzepte, wie es scheint, meist nicht über “irgendwas für die Tiere tun” hinausgehen. Jeder dumpfe Stiefelnazi der ne Metzgerlehre macht kann Mitleid mir nem Laboraffen haben. Aber darum gehts ja gar nicht. Es geht nicht darum die armen, armen Affenbabies aus Covance zu holen, sondern dafür zu sorgen, dass eine Gesellschaft entsteht in der sie dort nie reingekommen wären. Wir denken also, es mangelt hauptsächlich an einem Bewusstsein was “Tierrechte” und was “Tierschutz” bedeuten und an einem Konzept Tierrechte zu vermitteln. Fast alles was wir “Tierrechtsaktionen” nennen ist nichts weiter als militanterer Tierschutz. Einen qualitativen Unterschied sehen wir da leider nicht. Was nicht heissen soll, dass Tierschutz nicht auch nötig ist. Wir wollen nicht weniger Tierschutzarbeit. Wir wollen einfach mehr Tierrechtsarbeit, die dieser Bezeichnung auch gerecht wird. Die Frage danach wie das aussehen soll können wir auch nicht beantworten. Aber das ist auch gar nicht unsere Aufgabe. Dies muss bewegungsübergreifend diskutiert werden, denken wir.

Ihr habt noch eine Woche/ein paar Tage zur Vorbereitung, wird denn alles klappen wie geplant?

Es gibt noch eine Menge zu tun. Allerdings sind dies meist rein handwerkliche Dinge, wie den Garten des AKZ niedermähen, alles aufräumen und so weiter. Das Organisatorische steht soweit. In der letzten Zeit bekamen wir sogar noch Anfragen von Menschen die noch Vorträge einbringen wollen. Mal sehen, vielleicht lässt sich ja noch das ein oder andere irgendwo unterbringen. Und falls wider Erwarten doch etwas ausfallen sollte haben wir auf jeden Fall Ersatz.

Was gibts zu essen?

Schämt euch, all ihr, die ihr direkt zu dieser Frage gescrollt habt ohne den Rest zu lesen!
Seit einiger Zeit haben wir im AKZ eine sehr gute Küche und seitdem organisiert der “Tofuclub” einmal pro Woche eine vegane VoKü. Diese Menschen haben sich bereit erklärt sich um die Verpflegung zu kümmern. Was es genau geben wird wissen wir nicht, aber wir sind uns sicher dass es, wie bisher immer wenn der Tofuclub gekocht hat, sehr lecker werden wird. Für alle Mahlzeiten wird ein Gesamtpreis von etwa 10€ anvisiert, so dass sich wohl alle genug zu essen leisten können.

Danke für das Interview.

yetzt · 2007-07-26 15:28 · unter aktuelles · rss · trackback

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